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Stellenangebote per iframe in den eigenen Karrierebereich einbinden

Wirklich so böse?
Screenshot von iFrame

Stellenangebote per iframe in den eigenen Karrierebereich einbinden

Auf der Suche nach Firmen, die uns erlauben Ihre Stellenangebote auf www.erwingo.de zu schalten, fanden wir bei ungefähr jeder zweiten Firma eine iframe Lösung vor. Der Artikel Suboptimale Karriereseiten: Bitte kein IFRAME! ist inzwischen über ein Jahr alt, doch trotzdem ist das Thema aktueller denn je.

Obwohl ich die Argumentation des obigen Artikels nachvollziehen kann und voll und ganz unterschreibe, gehöre ich trotzdem in den meisten Fällen zu den Befürwortern einer iframe Lösung.

Es kommt wie so oft auf den Einzelfall an

Um das Thema iframe objektiv und fair bewerten zu können muss die Ausgangssituation betrachtet werden, und hier stellen sich sofort eine Menge Fragen:

  • Wer kümmert sich um die Website des Unternehmens? Eventuell eine externe Agentur?
  • Wer besitzt Kompetenzen bezüglich Bewerbermanagement? IT in-house? Nur extern?
  • Mit welchen Technologien wird gearbeitet? Laufen Website und Bewerbermanagement auf derselben Plattform? Selbe Programmiersprache?
  • Welches Budget ist vorhanden?

Ist das Budget groß genug (und sitzt entsprechend locker), dann ist alles fein und es kann an der optimalen „iframe-freien“ Lösung gearbeitet werden. Die Realität schaut allerdings oft anders aus.

Auch wenn man sich im optimalen Fall selbst um die Unternehmenswebsite kümmert, ist trotzdem nicht unbedingt Know-How in Sachen Bewerbermanagement vorhanden. Natürlich kann man versuchen dies zu kompensieren und auf eine Eigenentwicklung bauen, aber zu welchem Preis?

Dann doch lieber auf die jahrelange Erfahrung von einem externen Anbieter setzen und die Stellenangebote bequem und einfach per iframe einbinden. Sicherlich ist DER Hauptgrund dafür, dass diese Lösung so oft genutzt wird.

Im Folgenden werde ich anhand eines fiktiven Beispiels aufzeigen, was so alles passieren kann, wenn man sich dann doch gegen eine iframe Lösung entscheidet.

Fallbeispiel

Eine Firma, nennen wir sie „Beispiel AG“, bindet im Karrierebereich auf der eigenen Website ihre aktuellen Stellenangebote per iframe ein. Die Website wird von einer externen Agentur betreut. Die Stellenangebote werden über eine E-Recruiting Lösung erstellt, welche eine weitere Agentur entwickelt hat.

Der Personalchef der Beispiel AG ist jetzt der Meinung, dass die iframe Lösung aufgrund der Ausführungen im oben genannten Artikel weg muss. Man einigt sich auf eine Schnittstellenlösung, d.h. die Stellenangebote werden über eine Schnittstelle direkt auf der Website eingebunden. Soweit so gut, aber:

  • Die Integration der Schnittstelle ist doch aufwendiger als vermutet, da beide Agenturen mit unterschiedlichen Technologien arbeiten
  • Weil verschiedene Agenturen und Entwickler im Boot sitzen, kommt es zu Kommunikationsproblemen und Verzögerungen
  • Der Bewerbungsprozess ist jetzt nicht mehr so konsistent. Zwar sind die Stellenangebote aufgrund der Schnittstelle optimal integriert, aber irgendwann muss auf das E-Recruiting (Bewerberdaten hochladen etc.) gewechselt werden. Es muss (!) also ein neues Fenster geöffnet werden und ohne iframe fällt das dem Bewerber auf.
  • Alles ist fehleranfälliger. Änderungen am E-Recruiting haben Auswirkungen auf die Schnittstelle und die Website und umgekehrt.
  • Neue Updates können nicht mehr zentral durch den E-Recruiting-Anbieter gesteuert, sondern müssen jedes Mal neu abgestimmt und eingepflegt werden
  • Viele Probleme, hoher Aufwand, Kosten etc.

Trotzdem, nach ein paar (vielleicht erfolgreichen) Wochen funktioniert der Karrierebereich ohne iframe und der Personalchef ist zufrieden.

SEO – Wie schaut es in der Praxis aus?

Die  Beispiel AG besitzt jetzt einen Karrierebereich ohne iframe. Die Karriereseite ist SEO-technisch solide umgesetzt. Superschnelle Website, sprechende URLs, Meta-Tags, richtig guter Content etc. – das volle Programm eben! Sogar über 90 Punkte bei Google PageSpeed Insights für Desktop und Mobilgeräte – top! Jetzt wird ein paar Wochen oder Monate abgewartet und vielleicht noch etwas in Sachen Backlinks, Social Media und so weiter gemacht.

Da aktuell zwei Maschinenbauer gesucht werden, wird zu Testzwecken in Suchmaschinen nach „Job Maschinenbauer“ gesucht – so oder so ähnlich suchen ja auch potenzielle Bewerber nach für sie interessanten Stellen.

Doch Ernüchterung macht sich breit. Weit und breit ist nichts von der aufwendig optimierten Karriereseite zu sehen. Woran liegt das? Es sind die ganzen Jobportale, die unter anderem Unsummen an Geld in die Hand nehmen, um auf den ersten Plätzen zu stehen. Dagegen ist kein Kraut gewachsen!

Jetzt kann man natürlich sagen, dass „Job Maschinenbauer“ viel zu allgemein ist. Somit wird die Suche auf „Beispiel AG Job Maschinebauer“ geändert. Bingo! Die Karriereseite steht direkt unter 2-5 Werbeanzeigen an Position 1. Ziemlich weit unten, aber Position 1. Geht doch!

Das bedeutet allerdings, dass sich erfolgreiche Suchergebnisse in der Regel nur in Kombination mit dem Firmennamen realisieren lassen. Wenn der Suchende allerdings bereits die Firma kennt, bei der er einen Job ergattern will, dann wird er gar nicht die Suchmaschine nutzen, sondern erst die Website ansteuern, direkt in den Karrierebereich klicken und dann ist es aus Sicht der Akquise total egal ob mit oder ohne iframe.

Traffic für die Karriereseite – mit dem richtigen Anbieter kein Problem!

Nehmen wir noch einmal das obige Beispiel zur Hand und gehen davon aus, dass die Beispiel AG bei der iframe Lösung bleibt. Sucht ein potenzieller Bewerber in einer Suchmaschine nun nach „Beispiel AG Job Maschinebauer“, so gelangt er sehr wahrscheinlich auf die entsprechende Stellenbeschreibung direkt im E-Recruiting-System des Anbieters, nicht auf der Karriereseite der Beispiel AG. Auf den ersten Blick keine schöne Sache, das ist richtig.

Für den Anbieter ist es aber kein Problem zu überprüfen, ob ein Besucher die Seite über eine Suchmaschine (also nicht im iframe) aufruft. In diesem Fall kann dann z.B. über der Stellenbeschreibung der Hinweis erscheinen, dass der Besucher, wenn er möchte, für ein besseres Nutzererlebnis per Verlinkung auf die Karriereseite des Unternehmens wechseln kann.

Richtig umgesetzt kann dann nach dem Klick auf diesen Link im iframe der Karriereseite auch gleich die richtige Stellenausschreibung, die der Besucher initial aufgerufen hat, geladen werden.

Responsives Webdesign und iframe geht nicht – oder doch?

Und jetzt zu den technischen Möglichkeiten, mit denen ein vernünftiger E-Recruiting-Anbieter trotz Nutzung eines iframes Einiges rausholen kann.

Eine Website muss auf allen Geräten schick daherkommen. Dann gibt es noch verschiedene Betriebssysteme und Browser in unterschiedlichen Versionen. Egal – es muss überall gut aussehen! Ist das der Fall, dann darf man mit Stolz behaupten: „Ich besitze eine responsive, benutzerfreundliche Website“.

Iframes haben den Ruf, dass sie „starre Kästen“ sind, die auf Änderungen der Bildschirmauflösung nicht reagieren. Diese Behauptung ist jedoch schlichtweg falsch. Was mit einem iframe alles so möglich ist, soll nun einmal aufgezeigt werden. Ist recht technisch, kann aber an dieser Stelle nicht schaden und vielleicht liest hier auch der eine oder andere Webentwickler mit.

Ein iframe verhält sich genauso wie das, was es technisch gesehen auch ist: eine Website innerhalb einer Website. Und als solche ist es genau so möglich, die eingebundene Seite per Media Queries im CSS anzusprechen und responsiv zu machen. Das muss natürlich im CSS-Code der eingebundenen Seite passieren, ist also Aufgabe des E-Recruiting-Anbieters.

Zu beachten ist dabei aus Sicht des Unternehmens lediglich, dass die eigene Karriereseite logischerweise schon responsiv gestaltet sein sollte. Ist das der Fall, dann muss oftmals das CSS lediglich um den folgenden Code erweitert werden:

/* Responsives iframe */
iframe{
	width:100%;
}

Hierdurch nimmt das iframe immer die komplette Breite des Websitebereichs ein, in den es eingebunden ist. Dieser Bereich orientiert sich bei einer responsiven Umsetzung sowieso bereits an der Breite des Browserfensters.

Und das wäre es auch schon an Arbeit für das Unternehmen. Nun liegt es am Können des E-Recruiting-Anbieters, den Inhalt des iframes selbst responsiv umzusetzen. Und dies ist wie oben bereits beschrieben, zumindest technisch kein Problem.

Nun hat man sich um die Breite gekümmert. Ein weiteres Problem ist aber die Höhe. Auf vielen Karriereseiten sieht man, dass das iframe entweder einen unschönen Scrollbalken anzeigt, oder bei wenigem Inhalt zu hoch erscheint. Dies liegt daran, dass viele Entwickler einfach eine feste Höhe in Pixeln festlegen, die Höhe sich also nicht nach dem Inhalt richtet. Das kann man definitiv besser machen!

Per JavaScript ist es mit aktuellen Browsern inzwischen kein Problem mehr, dem iframe immer genau die Größe zu geben, die es benötigt. Hierzu läuft im Code des iframes ein Script, das bei jeder Änderung des Inhalts einfach die aktuelle Höhe an ein weiteres Script sendet, welches auf der Karriereseite eingebunden wird. Letzteres nimmt diese Höhenänderung entgegen und skaliert das iframe entsprechend.

Zudem kann dies auch dafür genutzt werden, die Karriereseite immer an die richtige Stelle scrollen zu lassen, wenn sich im iframe Inhalte ändern. Zum Beispiel kann es vorkommen, dass aufgrund einer langen Liste von Stellenausschreibungen nach unten gescrollt wurde und dann ein Dialogfeld im nicht sichtbaren Bereich erscheint. Scrollt jetzt die Seite automatisch nach oben, ist das Problem gelöst.

Die erwähnten Scripte hier aufzuführen, würde wohl den Rahmen sprengen. Interessierten Entwicklern sei aber eine Suche nach der JavaScript-Methode „window.postMessage()“ empfohlen.

Um den Aufwand für das Unternehmen zu minimieren, kann das auf der Karriereseite einzubindende Script auch auf dem Server des E-Recruiting-Anbieters liegen, dort gepflegt bzw. weiterentwickelt werden, und wird lediglich auf der Karriereseite des Unternehmens eingebunden.

Fazit

Iframes sind gar nicht so böse! Sie sind nicht die beste Lösung, aber oftmals die pragmatischere und vor allem günstigere. Eine Entscheidung für oder gegen iframes sollte immer im Einzelfall beurteilt werden. In vielen Fällen stellt nämlich nicht das iframe selbst ein Problem dar, sondern die Tatsache, dass trotz technischen Möglichkeiten das volle Potenzial nicht ausgeschöpft wird.

Oliver Krimmer